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Die Geschichte der Firma Fabergé

Zur Geschichte des Hauses Faberge

Auf der Welle des allgemeinen Wirtschaftswachstums Ende des 19. - Anfang des 20. Jh. erlebte die russische Juwelierbranche einen bis dahin nicht gekannten Aufschwung. Die Entstehung einer neuen wohlhabenden Klientel mit entsprechender Kaufkraft und Nachfrage beschleunigte die Branchen-Entwicklung und führte zu hochwertigen neuen Produkten auf der einen Seite aber auch härterer Konkurrenz auf der anderen Seite, es war die „goldene Ära“ der Juwelierkunst .


Von der Mehrzahl der Namen der damaligen Akteure dieser Juwelierszene hat sich allerdings nur der legendäre Name Fabergé erhalten. Als Stilrichtung und als Symbol dieser Epoche gilt sein Glanz über seine Zeit hinaus, er vertritt heute mit seiner Vollkommenheit alle anderen beschreibenden Begriffe für die Juwelierkunst der Zarenzeit.

Carl Peter Fabergé war Künstler und Unternehmer, Zarenhoflieferant und Gutachter kaiserlicher Schätze, Hoflieferant der Könige von Skandinavien, England, Griechenland, Bulgarien, Siam (heute Thailand) usw., er wurde mit diversen russischen und internationalen Ehrenpreisen und Medaillen ausgezeichnet, er gründete eine der weltgrößten Juwelierfirmen aller Zeiten, machte die Stadt St. Petersburg zu einer der Hauptstädte der Juwelierkunst und bestimmte maßgebend die Branchenentwicklung in der Zeit des Jahrhundertwechsels.


Die Familie Fabergé war hugenottischer Herkunft und stammte aus der Picardie. Sie emigrierte 1685 nach Aufhebung des Ediktes von Nantes durch Ludwig XIV. nach Ostdeutschland und ließ sich für 115 Jahre in Schwedt an der Oder nordöstlich von Berlin nieder. Carl Fabergé´s Großvater Peter übersiedelte im Jahre 1800 nach Pernau im Baltikum (damals Russische Provinz), wo 1814 Gustav Fabergé, der Vater Carl Fabergés, geboren wurde. Dieser zog nach St. Petersburg um, wo er zunächst bei Goldschmied Andreas Ferdinand Spiegel und später bei Juwelier und Goldschmied Johann Wilhelm Keibel in die Lehre ging. Im Jahre 1842 eröffnete Gustav Fabergé eine eigene Goldschmiedewerkstatt in der Bolschaya-Morskaya-Straße Nr. 12.

1846 heiratete Gustav Fabergé Charlotte Jungstedt, die Tochter eines dänischen Malers. Aus der Ehe gingen die Söhne Peter Carl (russ. Carl Gustawowitsch; 30.05.1846 bis 24.09.1920) und Agathon (1862 bis 1895) hervor.
1857 stellte Gustav Fabergé als Chefjuwelier August Wilhelm Holmström ein. 1860 ging Gustav, begleitet von seiner Familie, nach Dresden. Sein Juweliergeschäft führte sein Freund und Kollege H. Pedin in seinem Sinne weiter.

Carl Fabergé besuchte zunächst die deutschsprachige St. Annenschule in St. Petersburg und in Dresden dann die Handelsschule. Danach ging Carl Fabergé nach Frankfurt in die Lehre bei Juwelier Friedmann. Den schulischen Teil der Lehre absolvierte er an der traditionsreichen Goldschmiedeschule in Hanau. Im Rahmen seiner damals durchaus üblichen „Grand Tour“ führte sein Weg auch nach Idar-Oberstein, schon damals Zentrum der Steinschleifer und Steinschneider. Auf seinen Reisen durch Europa lernte der junge Meister die Vielfalt der traditionellen und der modernen Kunstrichtungen Frankreichs, Englands und Italiens kennen.


1870 kehrte Carl Fabergé nach St. Petersburg zurück, wo er zunächst in die Firma des Vaters eintrat. 1872, im Alter von 26 Jahren, übernahm er deren Leitung. Im selben Jahr heiratete er Augusta Jakobs, die Tochter eines Möbelhandwerkers. Alle vier Söhne aus dieser Ehe, Eugene (1874-1960), Agathon (1876-1951), Alexander (1877-1952) und Nicholas (1884-1939) arbeiteten in der Firma. Erste herausragende Erfolge kamen im Jahr 1882 mit der Präsentation von Kopien antiker skythischer Schätze während der russischen Bundesausstellung in Moskau, die unter der Schirmherrschaft Zar Alexanders III. stand. Carl Fabergé erhielt eine Goldmedaille, Zarin Maria Fiodorowna erwarb Fabergé´s Manschettenknöpfe in Insektenform (altgriechisches Glücksbringer-Symbol). Zu dieser Zeit trat Bruder Agathon als hervorragender Designer und Meister in die Firma ein, dessen Skizzen als Grundlage für mehrere Juwelierobjekte gedient haben.


1881 zieht die Firma Carl Fabergé im Rahmen der Expansion in ein größeres Gebäude um. Viele neue Arbeitsrichtungen wie emaillieren, Stein schneiden und Silber schmieden, gravieren, ziselieren etc. ermöglichten die Erweiterung der Produktpalette. 1885 wurde Carl Fabergé der Titel des Zarenhoflieferanten verliehen, 1890 wird er offizieller Gutachter des Zarenkabinetts. Er bekommt den St. Annenorden 3. Klasse verliehen. International ist er mit seinen Kopien antiker Schätze 1885 bei der Ausstellung in Nürnberg vertreten, wo er eine goldene Medaille dafür erhielt, danach kam die Teilnahme an der Ausstellung in Kopenhagen, auch hier erhielt er eine Goldmedaille. Nach der Ausstellung in Stockholm 1897 wird er zum offiziellen Hofjuwelier des skandinavischen Königreichs ernannt, aber die durchbrechende Anerkennung brachte die Teilnahme an der Weltausstellung 1890 in Paris, wo er mit Genehmigung der Zarenfamilie die berühmten in seinem Hause in St. Petersburg hergestellten kaiserlichen Ostereier aus dem Zarenbesitz präsentieren durfte. Dafür bekommt er den Ehrenlegion-Orden und wird mit dem Titel "Maître der Pariser Goldschmiedegilde" ausgezeichnet. Steigende Auftragszahlen und der wachsende Kundenstamm machten es notwendig, dass Carl Fabergé seinen Sitz in ein noch größeres Gebäude in der der Bolschaya-Morskaya-Straße Nr. 24 verlegen musste.


Gleichzeitig entstanden die Filialen in Moskau (1887-1917), Niederlassungen in Odessa (1890-1918), Kiew (1905-1910) und London (1903-1915). Die Londoner Filiale unter der Leitung seines Sohnes Nikolaus und dessen Partner H. Bainbridge wurde ab Anfang des Jahrhunderts aktiv, offiziell jedoch erst 1906 eröffnet. Sie belieferte die europäische Kundschaft inklusive der Königsfamilie Großbritanniens. 1911 zog die Firma in die New Bond Street Nr. 173, neben das Geschäft von Cartier, den Hauptkonkurrenten in Europa und auch in Russland. Die ständig wachsende Firma, wo Anfang des Jahrhunderts bereits über 500 hochqualifizierte Mitarbeiter tätig waren, arbeitete darüberhinaus mit einer Reihe selbständiger fachspezialisierter Werkstätten, die der Firma Fabergé vertraglich untergeordnet waren. Plejaden brillanter Werkmeister wie A. Holmström, A. Thielemann, hervorragende Goldschmiede wie M. Perchin, E. Kollin, W. Reimer oder Silberschmied J. Rappoport brachten mit ihren außergewöhnlichen Beiträgen Erfolg und Anerkennung. Über 250 000 Objekte in Gold, Silber, Emaille, Juwelen und Schmucksteine wurden insgesamt hergestellt. Eine Werkstatt mit zwanzig Handwerkern war allein damit beschäftigt, die Ahornholzetuis zu fertigen, in die jedes einzelne Stück verpackt wurde.


Einen weiteren Höhepunkt erlebte die Firma 1913, als das 300-jährige Jubiläum der Zarenfamilie Romanov gefeiert wurde, zu dem Fabergé über 2000 Bestellungen diverser Geschenke lieferte. Der erste Weltkrieg brachte zuerst einen Rückgang in den Handelsaktivitäten der Firma. Nach einem Jahr jedoch schaffte es Carl Fabergé, die Werkstätten für Militärbestellungen auszurüsten. So kamen über 1.000.000 Kanonen-Geschosse, medizinische Spritzen, Kupfer- und Messinggeschirr und verschiedene Souvenirs mit Zarensymbolik an die Front. Auch diese Gegenstände unterschieden sich durch präzise, akkurate Herstellung und gehobene typische Fabergé-Ästhetik.

Nach dem Machtübergang vom Zarenreich an die Bolschewiken in 1917 wurde das Geschäft der Firma beinah parallelisiert. Es wurde das sogenannte „Komitee der Angestellten der Firma K. Faberge“ gebildet, das bis 1918 existierte. Auch Carl Fabergé erhielt Anteile. Er musste emigrieren und kam über Riga und Berlin nach Wiesbaden, wo er zwei Jahre bis zu seinem Tod lebte. Er starb 1920 während eines Besuchs seines Sohnes in Lausanne. Seine sterblichen Reste wurden 1929 zusammen mit denen seiner Frau, gestorben 1925, in Cannes beigesetzt.

Literatur:
Bainbridge, Snowman, v. Habsburg, Solodkoff, Ivanov.

 

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